CO₂-Steuer aber kein Klimabonus

1. Einstieg - die aktuelle Situation

Es wird “g’spoat!”. 2025 steht ein erheblich niedrigeres Budget für den Bereich Umwelt, Klima und Kreislaufwirtschaft zur Verfügung, 2026 wird es noch weiter gekürzt. Um 55,1 %, also um mehr als die Hälfte sinkt das Budget 2025 im Vergleich zu 2024. Die Gesamtreduktion von 2,69 Mrd. Euro soll vor allem durch das Streichen des Klimabonus mit 1,8 Mrd. Euro bewerkstelligt werden. Darüber hinaus wird das Budget für 2026 nochmals um 37,5 % gekappt [1].

Das einzige sozial ausgleichende Element der (Nicht-)Umweltbemühungen Österreichs wurde damit gestrichen. Die sogenannte CO₂-Steuer bleibt hingegen erhalten. Was der Unterschied zwischen diesen beiden Instrumenten ist - vor allem sozial - und warum die Umsetzung nicht gut ist, das ist Thema dieses Artikels.

2. Was ist die CO2-Steuer?

Das Prinzip ist ganz simpel: Ein Unternehmen emittiert CO₂ bzw. eher eine Person in einem Unternehmen mit einer Maschine emittiert CO₂, und muss wegen des dadurch entstandenen Schadens für die gesamte Gesellschaft eine Gebühr, die CO₂-Steuer entrichten. Das eigentliche Ziel ist, dass dadurch eine Verlagerung bewirkt werden soll. Weg von fossilen Brennstoffen bzw. aufwändigen Verbrennungsprozessen hin zu erneuerbaren Energien bzw. umweltverträglicheren Geschäftsmodellen, um Ausgaben durch die CO₂-Steuer zu sparen.

2022 wurde diese Besteuerung in Österreich eingeführt - wie gewohnt (z’)spät - mit einem Tarif von 30 Euro je Tonne CO₂ - mittlerweile ist die Steuer auf 55 Euro gestiegen [2]. Davon vor allem betroffen sind private Haushalte durchs Heizen bzw. den Verkehr. Die Industrie und der innereuropäische Flugverkehr sind davon ausgenommen und unterliegen stattdessen dem europäischen Emissionshandel (EU-ETS), einem eigenen System auf EU-Ebene [12].

Damit so eine Steuer wirklich das Verhalten verändern kann, muss sie hoch genug sein. Tanken oder Heizen muss “wehtun”, damit auf Alternativen gesetzt wird.

3. Was war der Klimabonus - was sollte er leisten?

Die CO₂ Steuer weist ein strukturelles Problem auf. Bürgerinnen mit geringerem Einkommen, geben proportional mehr Geld für Energie und Mobilität aus. Demnach werden sie stärker von einer Besteuerung getroffen. Eine Modellrechnung des Parlamentarischen Budgetdienst aus 2019 hat diese Verteilungswirkung im Vorfeld berechnet: Im untersten Einkommensquintil (20% der Haushalte mit dem geringsten Einkommen) beträgt die Belastung durch die CO₂-Steuer durchschnittlich 4,2 % des Einkommens, im obersten nur 1,8 %. [3] Eine solche Steuer bezeichnet man als regressiv - sie verstärkt Ungleichheit und kommt nicht da an, wo sie ankommen sollte.

Der Klimabonus hat diese Tendenz ausgeglichen. Durch einen jährlichen Pauschalbeitrag hatten Einkommensschwächere einen größeren Nutzen als Einkommenstärkere. Er wirkte also progressiv. Obwohl auch im Klimabonus ein Element enthalten war, das nicht zielgerichtet für Entlastung gesorgt hat.

Die Bonushöhe wurde regional gestaffelt mit Beträgen zwischen 145 und 290 Euro pro erwachsener Person, Kinder erhielten die Hälfte. Die Logik dahinter: Wer auf dem Land lebt und schlecht an öffentliche Verkehrsmittel angebunden ist, kann dem Auto schwerer ausweichen und zahlt damit mehr CO₂-Steuer ein. Ein höherer Bonus sollte das kompensieren.

Ein sinnvoller Ansatz, der jedoch nicht die Einkommensverhältnisse berücksichtigte. Ein Arbeitnehmer mit 40 Tausend Euro brutto bekam gleich viel wie sein potentieller Nachbar mit einem Einkommen von 150 Tausend Euro brutto.

4. Wer zahlt, wer profitiert - Verteilungsebene

Wer zahlt die CO₂-Steuer und wie viel? Die reichsten zehn Prozent der österreichischen Haushalte tanken neunmal so viel Diesel wie die ärmsten zehn Prozent und emittieren mehr als viermal so viel CO2 [4][5]. Sie zahlen also in absoluten Zahlen deutlich mehr.

In absoluten Zahlen ja, in Relativen nicht. Wie bereits thematisiert, wird die ärmere Bevölkerung härter getroffen. Um das in einer Zahl auszudrücken, wird der Gini-Koeffizient herangezogen. Diese Kennzahl ist das Standardmaß für Ungleichheit mit einem Wert von 0 bis 1. Durch die CO₂ Steuer steigt der Index von 0,2565 auf 0,2605. Mit dem Klimabonus hingegen sank der Wert auf 0,2542, also unter das Ausgangsniveau ohne Steuer [3].

Was die Modellrechnung vorhergesagt hatte, trat ein: Eine empirische Analyse im FARECarbon Policy Brief zeigt, dass der Klimabonus den Gini-Koeffizienten um 1,21 % verringert hat. [13]

Im Alltag sah das so aus: Ein Haushalt im untersten Einkommensquintil gewann durch das Zusammenspiel von Steuer und Bonus im Schnitt 101 Euro pro Person und Jahr. Ein Haushalt im obersten Quintil verlor 100 Euro [3]. Die Last wurde also tatsächlich von oben nach unten umverteilt.

2025 - aus die Maus. Das regressiv wirkende Element blieb erhalten, das Progressive gestrichen. Ein kleiner Schritt im Gesetzbuch, ein großes Zeichen an die Bevölkerung - und Natur - in Richtung Ungleichheit.

5. Warum ist die Steuer ohne Rückverteilung ein Problem?

Warum ist die CO₂-Steuer ohne Rückverteilung ein Problem? Dafür gibt es zwei Argumente: ein Klimapolitisches und ein Soziales.

Das klimapolitische Argument

Eine CO₂-Steuer lenkt nur dann Verhalten, wenn sie hoch genug ist. Schadstoffintensives Heizen und Tanken muss “wehtun”, um zu erzielen, dass mehr auf umweltschonende Maßnahmen, beispielsweise erneuerbare Energien gesetzt wird. Darüber hinaus müssen Bedingungen geschaffen werden, die einerseits ökonomisch als auch ökologisch für die Bevölkerung Sinn ergeben, damit ein Umstieg überhaupt möglich und leistbar ist. Oft so dargestellt, aber in keiner Weise ein Widerspruch, eher das Gegenteil. Eine gut funktionierende Gesellschaft wie auch Wirtschaft basiert auf einer stabilen Umwelt, sozial wie klimatisch.

Rennert et al. haben 2022 berechnet, wie hoch die tatsächlichen gesellschaftlichen Kosten einer Tonne CO₂ sind, also welchen Schaden eine Tonne Emissionen der Gesellschaft verursacht. Ihr Ergebnis: 185 Dollar pro Tonne. Österreich besteuert ein knappes Drittel davon [6].

Zum Vergleich: Schweden hat eine CO₂-Steuer bereits 1991 eingeführt. Der schwedische Preis liegt heute bei umgerechnet rund 134 Euro pro Tonne. Mehr als doppelt so viel wie in Österreich [7][11]. Nähere Informationen zu der Höhe der CO₂-Steuer in den jeweiligen Staaten unter https://taxfoundation.org/data/all/eu/carbon-taxes-europe [11].

Aber würde eine höhere Steuer überhaupt das Verhalten verändern? Der Umweltpsychologe Thomas Brudermann beschreibt in seinem Buch “Die Kunst der Ausrede” ein bekanntes Beispiel aus der Verhaltensforschung: Als israelische Kindergärten eine Strafgebühr für zu spätes Abholen einführten, kamen Eltern danach häufiger zu spät, nicht seltener. Der Preis hatte das Zuspätkommen von einer sozialen Verfehlung in eine käufliche Dienstleistung verwandelt. Ein Preis alleine ändert also nicht automatisch Verhalten. Er kann es sogar entschuldigen. Hinzu kommt eine praktische Grenze: Irgendwann ist eine Steuer nicht mehr zu hoch um Verhalten zu lenken, sondern zu hoch um sie zu bezahlen - zumindest für einen erheblichen Teil der Bevölkerung. Es braucht andere Anreizsysteme und eine gerechtere Aufteilung der Kostenlast [8].

Das soziale Argument

Ohne Klimabonus ist die CO₂-Steuer das, was sie ohne Ausgleich immer war: regressiv. Sie belastet untere Einkommen proportional stärker, ohne das etwas zurückfließt. Sie ist damit kein Klimainstrument (mehr), das Verhalten lenkt und Ungleichheit abfedert. Sie ist eine Kostenverschiebung von der Gesellschaft zu jenen, die sich am wenigsten dagegen wehren und es sich am wenigsten leisten können.

6. Was wäre möglich?

Der Ansatz eines monetären Instruments, mit dem klimawandelinduzierte Ungleichheit besänftigt werden kann, ist aber ein richtiger, wenn er denn adäquat umgesetzt wird. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten.

Eine erste Möglichkeit wäre eine Rückverteilung als Pauschale, wie der Klimabonus. Diesmal aber einkommen- und nicht wohnortbasiert. Wer weniger verdient, bekommt mehr zurück. Das würde die regressive Wirkung der Steuer gezielter ausgleichen als das bisherige System. Das unterstreicht auch das Paper von “FARECarbon”, die eine weitere mögliche Reduktion des Gini-Index aufzeigen, wenn der Klimabonus an die unteren bis maximal mittleren (Quartil 1 bis maximal Quartil 3; ein Quartil sind jeweils 25 %) Einkommen beschränkt werden würde. Jene Maßnahme würde auch eine Reduktion der Lebenshaltungskosten bedeuten, für praktisch alle Einkommen aus Quartil 1, die Mehrheit aus Quartil 2 und etwa der Hälfte aus Quartil 3. [13]

Weiters ergibt sich die Frage, was mit dem Geld gemacht werden kann, um einen Ausgleich in anderen Lebensbereichen zu erzielen.

Eine Möglichkeit wäre der Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Wer keine echte Alternative zum Auto hat, kann der Steuer nicht ausweichen, egal wie niedrig oder hoch sie ist. Investitionen in ÖPNV würden die strukturelle Voraussetzung schaffen, damit Menschen überhaupt die Wahl haben, weniger fossile Energie zu verbrauchen. Und sie würden allen zugutekommen, auch jenen, die bereits öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Ebenso möglich wäre die gezielte Förderung von Öffi-Tickets für einkommensschwache Haushalte. Das Klimaticket kostet seit Jänner 2026 1.400 Euro pro Jahr [9]. Für Haushalte im untersten Einkommensquintil ein erheblicher, (nahezu) unbezahlbarer Betrag. Eine einkommensabhängige Förderung würde den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel dort erleichtern, wo er am meisten gebraucht wird.

Wenn alle, oder zumindest 2, oder schlimmstenfalls auch nur eine dieser Maßnahmen gewählt werden würde, könnte man mehrere Probleme gleichzeitig angehen. Einerseits die soziale Ungleichheit, den Anreiz umweltverträglicher zu leben und eine größere Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern sowie individuellen Fortbewegungsmitteln.

Raten Sie, wie viele dieser Optionen (es gibt noch unzählige weitere) gewählt wurden. Richtig, gar keine! Ob die angehobene Pendlerinnenpauschale eine ähnliche Lenkungswirkung aufweist, wagen wir - diplomatisch ausgedrückt - zu bezweifeln!

7. Schluss und Einordnung

Die CO₂-Steuer war nie ein starkes Klimainstrument. Bei einem Drittel der tatsächlichen Schadenskosten entfaltet sie kaum Lenkungswirkung. Sie versteuert zwar fossile Energie, aber nicht in einem Ausmaß, dass sich das Verhalten der Bevölkerung systematisch ändern würde. Der Klimabonus war kein perfekter Ausgleich, aber er war einer. Er hat die regressive Wirkung der Steuer nachweislich abgefedert und das Gesamtsystem in eine progressive Maßnahme verwandelt. Das ist belegt.

Was jetzt bleibt, ist eine Steuer ohne Lenkungswirkung und ohne sozialen Sinn. Kein Klimainstrument. Eine Einnahmequelle. Und selbst das nicht einmal wirklich.

Das passt aber zum Bild: Österreich hat immer noch kein verbindliches Klimaschutzgesetz und nicht die politische Tatkraft, das bald zu ändern [10]. Andere Staaten haben zumindest gesetzlich verankerte Reduktionspfade - die leider immer wieder aufgeweicht werden - und dementsprechende Konzepte. In Österreich “schauma moi, ob des do überhaupt so schlimm wird mit da Umwöt, von der’s olle reden.” Period.

Dabei wäre der Moment kaum dringlicher. Die Energiekrise nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat gezeigt, wie verwundbar Österreich durch seine Abhängigkeit von fossilen Energieträgern ist. Die Auswirkungen durch die Angriffe auf den Iran verbessern diese Situation nicht. Die geopolitische Dimension der Energiewende ist längst keine abstrakte Klimafrage mehr. Wer fossile Abhängigkeiten abbaut, schützt nicht nur das Klima, sondern auch seine eigene Handlungsfähigkeit. Das ist ein Argument, das über Parteigrenzen hinaus gelten sollte.

Die CO₂-Steuer kann ein Baustein dafür sein. Sie ist es nicht.

Quellenverzeichnis

  1. Parlamentskorrespondenz Nr. 509: Klima- und Umweltbudget: Große Einsparungen durch das Aus des Klimabonus, 06.06.2025. Online unter: parlament.gv.at, abgerufen am 10.05.2026.

  2. Wirtschaftskammer Österreich (WKO): CO2-Bepreisung — Grundlagen und aktuelle Sätze. Online unter: wko.at, abgerufen am 08.05.2026.

  3. Parlamentarischer Budgetdienst: Verteilungswirkungen einer CO₂-Steuer auf Haushaltsebene, Fachinformation August 2019. Online unter: parlament.gv.at, abgerufen am 09.05.2026.

  4. VCÖ – Mobilität mit Zukunft: Österreichs reichstes Einkommenszehntel verursacht laut internationaler Studie 12 Mal so viel CO₂ wie das ärmste Einkommenszehntel, Presseaussendung März 2023. Online unter: vcoe.at, abgerufen am 07.05.2026.

  5. science.ORF.at: Pro-Kopf-Emissionen ungleich verteilt, 09.02.2023. Basierend auf Daten der Wirtschaftsuniversität Wien. Online unter: science.orf.at/stories/3217609, abgerufen am 07.05.2026.

  6. Rennert, K. et al.: Comprehensive evidence implies a higher social cost of CO₂. In: Nature, Vol. 610, 27.10.2022, S. 687–692. doi:10.1038/s41586-022-05224-9.

  7. Wien Energie: CO₂-Preis Europa — Bepreisung pro Tonne im Ländervergleich. Online unter: positionen.wienenergie.at, abgerufen am 06.05.2026.

  8. Brudermann, T.: Die Kunst der Ausrede. Warum wir uns lieber selbst täuschen, statt klimafreundlich zu leben. oekom Verlag, München 2022.

  9. KlimaTicket Österreich: Tarife und Geltungsbereiche. Online unter: klimaticket.at, abgerufen am 10.05.2026.

  10. ORF News: Klimaschutzgesetz seit tausend Tagen ausgelaufen, 27.09.2023. Online unter: orf.at/stories/3332635, abgerufen am 05.05.2026.

  11. Mengden, A.: Carbon Taxes in Europe, 2024. In: Tax Foundation (online), 18.06.2024. Online unter: taxfoundation.org, abgerufen am 06.05.2026.

  12. Emissionshandelsregister Österreich: Grundlagen des Emissionshandels in Österreich. Online unter: emissionshandelsregister.at, abgerufen am 08.05.2026.

  13. Kettner, C. et al.: FARECarbon Policy Brief — Ergebnisse aus Modellanalysen für Österreich zur optimalen Gestaltung einer CO₂-Bepreisung mit Einnahmenrückvergütung. WIFO/JOANNEUM RESEARCH, Juli 2023. Online unter: farecarbon.joanneum.at, abgerufen am 09.05.2026.